JOHN WILLIAMS in Concert – V

„Star Wars“ – Sound auf dem Hohentwiel

Aus zwei Blasorchestern wird für zwei Konzerte ein Super-Orchester –
Auftritt am 15. Juli auf dem Singener Berg und am 23. Juli in der Stadthalle Tuttlingen

Für das gemeinsame Probenwochenende in der IKG-Aula hat Dirigent David Krause die Maße der Stadthallen-Bühne mit Klebeband auf dem Boden markiert. (Foto: Dorothea Hecht)

Quelle: Gränzbote 06. Juli 2023
von Dorothea Hecht

Tuttlingen
Episch, grandios, monumental. Wenn John Williams auf dem Notenblatt steht, dann weiß man, was man bekommt. Der US-amerikanische Komponist hat die Musik für Star Wars geschrieben, für Harry Potter, Schindlers Liste, Indiana Jones, E.T. und Jurassic Park. Und das ist nur eine Auswahl. Wer jetzt mindestens eine Melodie im Kopf hat, sollte sich den 15. und den 23. Juli rot im Kalender einkringeln. Denn da gibt es die Werke live zu hören – von einem Orchester, das so bisher noch nie zusammen gespielt hat.

Das Städtische Blasorchester Tuttlingen und das Blasorchester Singen, kurz SBO und BOS, werden gemeinsam auf der Bühne stehen. Am 15. Juli auf dem Hohentwiel, als Eröffnungskonzert des Hohentwiel-Festivals, und am 23. Juli in der Tuttlinger Stadthalle.

140 Musikerinnen und Musiker im Einklang – wie kann das funktionieren? Und wie kommt man überhaupt auf so eine Idee? Die Antwort in beiden Fällen ist: David Krause. Der 39-Jährige dirigiert beide Orchester: Tuttlingen seit 2018, damals als Nachfolger von Klaus Steckeler, Singen seit 2019. Schon länger schwirrte die Idee, ein gemeinsames Konzert mit „seinen“ beiden Orchestern zu machen, in seinem Kopf herum. Denn: „Um der Musik von John Williams gerecht zu werden, braucht man ein großes Orchester“, erklärt Krause. Und die Orchester ergänzten sich gut, findet er. Die eine Formation etwa habe mehr Klarinetten, die andere sei bei der Tuba stärker vertreten.

Doch wenn schon ein gemeinsames Konzert, dann sollte es auch etwas Besonderes sein. Als Auftrittsorte waren schnell die beiden Berge im Gespräch: der Hohentwiel in Singen und der Honberg in Tuttlingen. Beide haben im Juli passenderweise Musik-Festivals im Programm. Hinzu kam noch ein historisches Schmankerl. Der Hohentwiel, einer der bekanntesten Hegauvulkane, hat eine wechselvolle Geschichte unter badischer und schwäbischer Herrschaft hinter sich. Von 1802 bis 1968 gehörte der Hohentwiel zu Tuttlingen. Dann aber bereinigte der Landtag Baden-Württemberg alle En- und Exklaven, und der Berg wurde wieder Singen zugeschlagen. „Das musste man natürlich feiern“, erklärt Dietmar Weber, der beim BOS Tuba spielt, „seitdem gibt es das Hohentwielfestival.“

Eben jenes Festival wird das Doppelorchester nun eröffnen. Keine leichte Aufgabe, sagt Andreas Krieg, Vorsitzender des BOS: „Alles, was an Material vonnöten ist, muss erst mal da hochgeschleppt werden.“ Zudem braucht es eine zusätzliche Vorbühne, um alle Musiker unterzubringen. Aber, sagt Krieg, „die Stadt steht voll hinter uns“. Zusätzliche Kosten seien genehmigt worden, auch eine Förderung des Landes bekomme das Orchester. „Wir freuen uns riesig darauf.“

In Tuttlingen dagegen musste das SBO die Berg-Idee wieder verwerfen. „Die Bühne beim Honberg-Sommer ist einfach zu klein, da hätte kein Besucher mehr ins Zelt gepasst“, erklärt Vorsitzende Andrea Blumers. Auch andere Ideen wurden durchgespielt, am Ende war doch die Stadthalle am geeignetsten: gute Akustik, wettersicher. Was nicht heißt, dass sich das Orchester da ausbreiten kann. „Wir nutzen allen verfügbaren Platz, den es auf der Bühne gibt“, sagt Dirigent Krause. Er hat die Bühne selbst ausgemessen und mit Klebeband auf den Boden der IKG-Aula kopiert – damit schon bei der Probe jeder weiß, wo er sitzen muss.

„Plötzlich sitzt man 20 Meter von anderen Musikern weg. Das ist schon was anderes als sonst“, meint Adrian Riess, Trompeter beim SBO. Auch musikalisch. Seit Anfang des Jahres proben die Orchester die John-Williams-Musik. „Wir haben das schon mal gespielt, aber mit Noten für Sinfonieorchester. Jetzt sind es die Originalstücke“, erklärt Riess. Und die sind durchaus anspruchsvoll. „Das spielen sonst Profi-Musiker“, sagt Krause.

Am Anfang war das für die Musiker nicht leicht. Inzwischen haben die Orchester aber zwei gemeinsame Probenwochenenden und viele andere Proben hinter sich und sind zuversichtlich. „Es harmoniert wunderbar“, sagt Tubist Weber. Einzige Sorge ist noch das Wetter, beim Hohentwiel-Festival wird unter freiem Himmel gespielt. Aber wenn’s hält, ist sich Weber sicher, dann werde der Sound gewaltig. „140 Musiker – da föhnt’s“, verspricht er.

Für beide Abende „John Williams in Concert“ gibt es noch Karten.

Hohentwiel, Singen: Samstag, 15. Juli, 19 Uhr. 29 Euro für Sitzplätze, 15 Euro für Stehplätze, www.hohentwielfestival.de. Es gibt einen kostenfreien Bus-Shuttle vom Aachbad bis zum Informationszentrum am Hohentwiel auf halber Berghöhe. Ausweichtermin bei schlechtem Wetter ist Montag, 17. Juli.

Stadthalle, Tuttlingen: Sonntag, 23. Juli, 19 Uhr. Tickets ab 22,50 Euro bei der Ticketbox oder unter www.sbo-tuttlingen.de. Es gibt eine Einführung ab 18 Uhr, unter anderem mit Dirigent David Krause.

Stadthalle Tuttlingen – 23. Juli 2023 – 19:00 Uhr

Am Samstag, 15. Juli 2023, um 19.00 Uhr ist das Programm „John Williams in Concert“ von SBO und BOS im Rahmen des Open AIR – Hohentwiel-Festivals auf dem Hohentwiel in Singen zu genießen. Weitere Infos dazu gibt es HIER.

Festungsruine Hohentwiel, Singen, 15. Juli 2023 – 19:00 Uhr