Vor der Probe den Teppich ausrollen: Hier spielt das Tuttlinger Blasorchester
Dorothea Hecht, Gränzbote 16.4.2024

Noch ist es das Evangelische Gemeindehaus. Doch 2025 soll in das große Gebäude der Gartenstraße die städtische Musikschule einziehen. Schon jetzt geht es dort musikalisch zu: Das Städtische Blasorchester (SBO) hat darin ihren neuen Probenraum eingerichtet. Und der könnte endlich von Dauer sein.
„Als die Kirche gesagt hat, sie hilft uns, war das eine Erleichterung. Aber als die Stadt dann gesagt hat, sie kauft das Haus, war das eine echte Perspektive.“ So fasst es Adrian Riess, der gemeinsam mit Jannis Brauer Vorsitzender des SBO ist, zusammen.
Es war echt schwierig, was Neues zu finden. Adrian Riess
Einen dauerhaften Probenraum zu finden, war für das Orchester in den vergangenen Jahren schwierig. Klar: 60 bis 80 Musikerinnen und Musiker samt Dirigent, Instrumenten, Noten und sonstigen Utensilien bringt man nicht mal eben im Wohnzimmer unter.
Erst in der Schule, dann in der Kirche
Lange probte das SBO in der Tuttlinger Wilhelmschule. 2014 musste es dort ausziehen, weil die Schule zur Gemeinschaftsschule wurde und damit mehr Räume benötigte. Das Orchester kam dann in der Versöhnungskirche unter, doch auch das war nicht von Dauer.
In der Corona-Zeit musste das SBO, um Abstand zu halten, teils ins Freie ausweichen. Und als die Gemeinde mit der Martinskirche fusionierte, beanspruchte sie das Kirchengebäude wieder komplett für sich. „Es war echt schwierig, was Neues zu finden“, sagt Riess.
Die Evangelische Gemeinde bot schließlich den Martin-Luther-Saal im Gemeindehaus an, im Sommer 2023 zog das SBO um. Ein Teil des Saals wurde für das Orchester mit einer neuen Wand abgetrennt. In dem Lagerraum, der so entstand, ist Platz für Trommeln, Marimbaphon und anderes Schlagwerk. Auch die Notenblätter brauchen viel Platz, und über die Jahre haben sich Dinge wie Fasnetskostüme, Jacken und Veranstaltungsmaterialien angesammelt.
Wenn die Stadt das Haus saniert, wäre für uns vor allem eine bessere Akustik wichtig.Adrian Riess
Der Saal ist für ein Orchester nicht optimal, das hört man schon beim Klatschen in die Hände: Es hallt sekundenlang nach. „Aber wir sind froh, überhaupt was gefunden zu haben“, sagt Riess.
Momentan behilft sich das Orchester provisorisch mit Teppichen und Vorhängen. „Wenn die Stadt das Haus saniert, wäre für uns vor allem eine bessere Akustik wichtig“, meint der Vorsitzende.
Die Bühne ist schon mit dabei
Die Freude darüber, dass die Stadt das Haus gekauft hat, ist beim SBO groß, denn grundsätzlich eigne es sich hervorragend für Musik, da sind sich die Vorsitzenden und Dirigent David Krause einig: Es gibt weitere Räume, die Decken sind hoch, im Saal ist eine Bühne eingebaut.
Doch ist die auch für das große Orchester konzerttauglich? Das SBO will es am Sonntag, 28. April, ausprobieren. Zum Teil werden die Musiker auf der Bühne, zum Teil auf einer Vorbühne sitzen. Die Zuschauer sollen im Saal und auf der Tribüne unterkommen. Um 17 Uhr geht das Frühlingskonzert los, der Eintritt ist kostenlos. Im Programm: Rock, Swing, hochwertige sinfonische Blasmusik.
Riess hofft, dass das Konzert der Auftakt für viele weitere musikalische Veranstaltungen in dem Gebäude ist. „Das Haus hat echt Potenzial! Wir würden uns freuen, wenn es nicht nur eine Ansammlung von Proberäumen wird, sondern sich Musiker, Chöre und Orchester auch untereinander austauschen.“
Quellennachweis:
Der Originalbeitrag wurde am 16.04.2024 im Gränzbote veröffentlicht.
https://www.schwaebische.de/regional/tuttlingen/tuttlingen/vor-der-probe-den-teppich-ausrollen-hier-spielt-das-tuttlinger-blasorchester-2441009
