„Geschichten“ – Pressemeldung Jahreskonzert des Städtischen Blasorchesters Tuttlingen

Musiker lassen Schlangenbeschwörer und Prinzessin aufleben

Von Bettina Fillinger, Gränzbote 24.11.2024

Tuttlingen

Mit einem grandiosen Auftritt hat das Städtische Blasorchester (SBO) Tuttlingen beim Jahreskonzert sein hohes Niveau und seine Spielfreude gezeigt. Musikalisch unterhaltsame „Geschichten“ erzählte auch der Nachwuchs: das Blasorchesterle und das Jugendblasorchester der Städtischen Musikschule.

Nachwuchs von morgen und übermorgen auf der Bühne

Gut gefüllt ist die Stadthalle, denn zahlreiche Mitglieder des Städtischen Blasorchesters Singen sind gekommen. Auch sie werden vom Dirigenten des SBO, David Krause, geleitet. Doch bevor das SBO sein hohes Niveau und musikalisches Können zeigen kann, gehört die Bühne den jüngeren Blasmusikern, dem „Nachwuchs von übermorgen und morgen“, kündigt Moderator Dieter Kleibauer an.

Das Blasorchsterle unter Leitung von Klaus Dietrich beginnt mit einem fünfsätzigen Stück des Holländers Kees Vlak, eigens für den ersten gemeinsamen Auftritt komponiert: „Young Concert collection“ führt die Vielfalt der Musik mit Fanfarenklängen, Walzer und Marschrhythmen auf, die jungen Musiker immer voller Konzentration und Spielfreude.

Das Blasorchsterle spielt unter der Leitung von Klaus Dietrich. (Foto: Bettina Fillinger)

Vom selben Komponisten stammt auch das zweite, melodiöse Stück, „Song for Memory“, das mit seiner musikalischen Geschichte in die Welt der Berge entführt – sogar die Glocken der Alpenkirche erklingen! Vor der lebhaften Zugabe wird der Leiter des Orchesterles, Klaus Dietrich, nach mehr als 20 Jahren aktiver Mitgliedschaft in den Ruhestand verabschiedet.

Viele Klassiker im Gepäck

Slawomir Moleta leitet das Jugendblasorchester, das sich mit zwei bekannten Stücken in bester Verfassung präsentiert: „Nessaja“ ist die bekannte Melodie aus Peter Maffays Musical Tabaluga, die die jungen Musiker ebenso lebhaft wie gefühlvoll erklingen lassen.

Das Jugendblasorchester spielt unter der Leitung von Slawomir Moleta. (Foto: Bettina Fillinger)

Abenteuerlich und temperamentvoll wird es beim zweiten Stück, einem „klassischen Filmzitat aus Fluch der Karibik“, so der Moderator: Die „Grandezza“ des „sexy Piraten“ Jack Sparrow alias Johnny Depp habe der Filmkomponist Klaus Badelt in seine Musik einfließen lassen. Lebendig wird er durch das lebhafte Spiel der jungen Musiker, deren Können und Spielfreude die Zuschauer mit langanhaltendem Applaus belohnen.

Das Jugendblasorchester spielt auch Teile von „Fluch der Karibik“. (Foto: Bettina Fillinger)

Bei den beiden Zugaben, den Ohrwürmern „Final Countdown“ und „Tiger Rag“ zeigen sie noch einmal ihr harmonisches Zusammenspiel und das beeindruckende Klangvolumen ihres Orchesters.

SBO wagt sich auch an schwerere Kost

Etwas schwerere Kost servieren die fast 70 Musiker des Städtischen Blasorchesters dem Publikum vor der Pause: Mit „Dunkirk“ zeichnen die hervorragenden Musiker die Evakuierung der 370.000 Soldaten aus Dünkirchen im Jahr 1940 nach.

„Eine technische Herausforderung an die Musiker“, meint Kleibauer – meisterhaft umgesetzt unter der Leitung von David Krause, der sein Orchester mit nuancierten und feinsten Anweisungen im Griff hat. Zu spüren die Dramatik und scheinbare Ausweglosigkeit der Soldaten, die sich in Aufbruch, Zuversicht und schließlich einem freudigen Triumph und der Ankunft in England auflöst.

Musikalische Geschichten erzählte das Städtische Blasorchester Tuttlingen bei seinem Jahreskonzert – mit dabei auch das Blasorchesterle und das Jugendblasorchester der Musikschule. (Foto: Bettina Fillinger)

Großartig ist die Leistung des Orchesters auch nach der Pause, als sie mit „The Witch and the Saint“ in die Stadt Ellwangen entführen, bevor sie musikalisch einen Markt im alten Persien mit Bettlern, Schlangenbeschwörern und Prinzessin aufleben lassen.

Weiter geht die musikalische Reise nach Schweden: Ihre Fingerfertigkeit beweisen die Holzbläser im Stück „Vasa“: Es beschreibt die Tragödie des schwedischen Dreimasters, der Dank eines Konstruktionsfehlers im Jahr 1628 nach nur einer Seemeile sinkt.

Das letzte Stück führt Zuhörer in die „grüne Hölle“

Mit ihrem letzten Stück entführen die hervorragenden Musiker die Zuhörer in die „grüne Hölle“, den Dschungel. Alle Instrumente, aber auch die schnippsenden Finger und Stimmen der Musiker kommen zum Einsatz, um Elefanten, Buschtrommeln, tanzende Kannibalen und Regenwald lebendig werden zu lassen. Großartig!

Klar, dass es da noch zwei Zugaben geben muss, in denen die Musiker noch einmal alle Register ziehen: der „Feather Song“ aus der Forrest-Gump-Suite und „Sparks of Fire“, ein musikalisches Feuerwerk am Ende eines sehr gelungenen Abends!

Quellennachweis:
Der Originalbeitrag wurde am 24.11.2024  im Gränzbote veröffentlicht.
https://www.schwaebische.de/regional/tuttlingen/tuttlingen/musiker-lassen-schlangenbeschwoerer-und-prinzessin-aufleben-3104497